DIE NATUR DES MENSCH-SEINS:
WARUM HABEN WIR EIN KOMPLEXERES BEWUSSTSEIN
ALS ALLE ANDEREN LEBENSFORMEN?
DER CORTEX UND DIE „SEELE“
Bisher haben wir uns mit den allgemeinen Funktionen des Gehirns auseinandergesetzt. Nun wollen wir jene Struktur betrachten, die für die höchsten Ebenen von Wahrnehmung und Kognition, Entscheidung und Bewertung, Welt- und Selbsterkenntnis, schlichtweg mit unserer Psyche, unserem Ego, unserem eigenem „ICH“ verantwortlich ist.
Die Großhirnrinde (lat. Cortex)
Dessen Hinterhauptlappen beinhaltet die Sehareale. Hier werden visuelle Informationen analysiert.
Der Scheitellappen ist für unsere Sensibilität, für die Körperempfindungen zuständig.
In einem der Schläfenlappen befindet sich das sog. „Wernicke-Areal“: Dieser Struktur kommt eine besondere Bedeutung bei der Spracherkennung zu! Hier werden Syntax und Grammatik von gehörter oder gelesener Sprache entschlüsselt!
Von den Stirnlappen gehen (willentliche) Aktionen aus. Im hiesigen Broca-Areal wird Sprache gebildet!
Die bisher genannten Teile – ausgenommen der Stirnlappen- bezeichnet man als primäre Areale in denen akustische, optische und Empfindungsreize wahrgenommen werden.
Tiefer liegend sind die sog. „Assoziationsfelder“. Im hinteren Assoziationsfeld (an der Schnittstelle von Scheitellappen, Schläfenlappen und Hinterhauptlappen) laufen die Informationen zusammen, um integriert zu werden.
Im Vorderen Anteil des Stirnhirns (=präfrontaler Cortex) werden die Informationen bewertet. Diese Region stellt die höchste Instanz dar! Hier vollziehen sich Planung, Entscheidung und Steuerung. Hier ist der Sitz von Urteilskraft, Vorstellungsvermögen, Empathie und Identität. Man spricht sinnbildlich auch von einem „Dirigenten“.
Im hinteren Teil des Stirnhirns wiederum erfolgt die Bewegungsplanung. Der vordere Teil empfängt Lageberichte von allen Seiten, von Innen- und Außenwelt! Gedanken und Gefühle, Sinneseindrücke, Stimmungen und Triebe werden hier zum „Schauspiel des Lebens“ zusammengefügt. Der Informationsfluss erfolgt hierbei nicht hierarchisch von unten nach oben! Er befindet sich vielmehr im ständigen Fluss in alle Richtungen! Der präfrontale Cortex entspricht der Integrationsstelle eines größeren Ganzen!
Komplexe Planungsprozesse und zielgerichtetes Handeln finden hier statt! Personen mit Schädigungen in verschiedenen Teilen des Stirnhirns weisen je nach Lokalisation und Stärke der Läsion signifikante Beeinträchtigungen auf! Es gibt einen relativ simplen Test, um festzustellen, ob eine Schädigung im Stirnhirn vorliegt:
Hierzu werden Versuchspersonen auf einem Computer-Bildschirm Worte gezeigt, die eine Farbe bezeichnen. Die Worte sind aber in einer anderen Farbe geschrieben als jene, die sie benennen! Für einen gesunden Menschen – wenn er nach der Farbe des Wortes gefragt wird- stellt es kein Problem dar „grün“ zu sagen, auch wenn das Wort in Rot geschrieben ist! Im Falle einer Stirnhirn-Schädigung gelingt das nicht mehr so einfach! Der Proband kann die semantische Bedeutung des Wortes nicht mehr unterdrücken!
Menschen mit geschädigtem präfrontalen Cortex hätten hiermit große Schwierigkeiten!
Eine Erklärung dafür, dass kleine Kinder sich oft unmöglich aufführen, im Supermarkt lautstark rumzetern, wenn sie etwas haben wollen, aus geringen Anlässen schreien und toben oder ihr Spielzeug an die Wand werfen hängt damit zusammen, dass der Stirnhirnlappen erst spät reift! Ihre Hemmungsreaktionen funktionieren also noch nicht richtig, sie können spontane Impulse nicht unterdrücken! Für das hochaggressive Verhalten einer bestimmten Gruppe von erwachsenen Gewalttätern trifft diese Erklärung ebenfalls zu! Auf diese Zusammenhänge näher einzugehen, würde an dieser Stelle etwas zu weit vom Thema wegführen.
Es bietet sich jedoch an, den spektakulären medizinischen Fall des amerikanischen Eisenbahnarbeiters Phineas Gage kurz darzustellen.
Er galt als eine verantwortungsvolle, pflichtbewusste, in allen Lebensbereichen vorbildlich agierende Persönlichkeit.
Als Vorarbeiter eines Trupps von Schienenlegern war er u.a. mit der Sprengung größerer Felsbrocken beauftragt. Zu diesem Zweck wurden Löcher in die betreffenden Felsen gebohrt. In diese Löcher wurde Sprengstoff gefüllt und mit Hilfe einer Eisenstange verdichtet. Bei genauso einem Vorgang ereignete sich eine vorzeitige Explosion, die 98 cm lange, 6 Kilogramm schwere und knapp über 3 cm dicke Eisenstange wurde aus dem Bohrloch „herausgeschossen“ und durchbohrte mit hoher Wucht Gage`s Schädel. Erst nach 30 Metern fiel sie mit Blut und Hirngewebe beschmiert zu Boden!
Er überstand den Unfall trotz dieser fürchterlichen Verletzung zunächst erstaunlich gut! Körperlich und geistig schien er gesund zu sein. Sein Verstand war nicht beeinträchtigt. Er konnte weiterhin Sprechen und logisch denken! Seine kognitiven Fähigkeiten funktionierten!
Allerdings veränderte sich seine Persönlichkeit in frappierender Weise!
Seine ganze Veranlagung, seine Vorlieben und Abneigungen, seine Träume und Hoffnungen – alles hat sich verändert!
Lassen wir hierzu in nachfolgend zitiertem Text seinen damals behandelnden Arzt zu Wort kommen, der den Sachverhalt umfangreich dokumentierte:
“ Seine körperliche Verfassung ist gut, und ich neige zu der Behauptung, dass er wieder genesen ist(….), allerdings scheint das Gleichgewicht zwischen seinen geistigen Fähigkeiten und seinen animalischen Neigungen gestört zu sein. Er ist nun launisch, respektlos, flucht manchmal auf abscheulichste Weise (früher nicht vorhandene Gewohnheiten), erweist seinen Mitmenschen keine Achtung, reagiert ungeduldig auf Anweisungen und Einschränkungen, sobald sie nicht mit seinen eigenen Wünschen übereinstimmen, ist gelegentlich hartnäckig und eigensinnig, dennoch wankelmütig und unschlüssig, ersinnt ständig Zukunftspläne, die schneller wieder verworfen als ausgeführt werden(…). Seine Geistesverfassung hat sich radikal verändert, so gravierend, dass seine Freunde und Bekannten behaupteten, in ihm den Gage von früher nicht mehr wiederzuerkennen“.
Sein Verhalten wurde – wie aus zeitgenössischer Dokumentation ersichtlich- teilweise unberechenbar, sein gesellschaftliches Überleben war nicht mehr gewährleistet. In seinem persönlichen Umfeld, in dem er vormals sozial gut integriert war, scheiterte er nun kläglich!
Seine Emotionen und Empfindungen degenerierten und standen ihm nicht mehr als Assistenten für seine fortan unglückseligen Entscheidungen zur Seite!
Ich denke es ist nicht schwer zu erraten, welcher Gehirnbereich durch die Eisenstange verletzt wurde?! – Es handelt sich in der Tat um den bisher viel zitierten Stirnlappen!
Das Stirnhirn macht etwa ein Drittel des gesamten Großhirns aus. Neben seiner Größe ist die enorme Verkabelung mit allen anderen Hirnteilen charakteristisch.
Es steuert Motivation und Antriebsenergie, hier werden moralische Entscheidungen getroffen. Das Stirnhirn entspricht dem biologischen Substrat der Persönlichkeit oder des ICH`s.
An dieser Stelle muss bedacht werden, dass es im Hirn natürlich kein kleines Männchen gibt welches dem persönlichen, individuellen „ICH“ entspricht! Es wäre falsch zu sagen das ICH säße im Stirnhirn- also lokal eingrenzbar wie etwa die Position des Prozessors in einem PC! Aber: Ohne die Funktionen des Stirnhirns hat man keine Persönlichkeit und kein ICH!
Diese Struktur beherbergt die treibende Kraft des „ICH`s“!
„Bewusstsein ist ein Produkt von Beziehungen, kein Ding oder Ort! Es gibt Gründe für die Annahme, dass das „Metabewusstsein“ – das Bewusstsein, das man über ein Bewusstsein verfügt- von der relativ späten kindlichen Entwicklung einzelner Areale des Stirnlappenbereichs abhängt. Demzufolge beherbergen die Stirnlappen offenbar für die Integration oder assoziative Zuordnung verantwortliche Regionen, die für unsere konsistente, individuelle Persönlichkeitsstruktur entscheidend sind. Die Antwort liegt im Zusammenwirken einer Vielzahl von Gehirnarealen und nicht in einem einzigen anatomisch und funktionell klar umrissenen Modul. Der „Treiber“ des gesamten kognitiven Apparates -insofern es einen gibt- dürfte seinen Sitz durchaus sehr weit vorne im Stirnhirn haben!“
Gamon/Bragdon /Brain Fitness / mvg-Verlag
Die übernatürliche Seele spielt innerhalb der naturwissenschaftlichen Erklärungsmodelle praktisch keine Rolle mehr! Jegliche Arten von Bewusstseins- und Erlebensprozessen, einschließlich jener die wir nur sehr schwer beschreiben können und die uns (vielleicht für immer) vor philosophische Erklärungsnöte stellen, finden in mehr oder weniger spezifischen Erregungsmustern des Gehirns ihren Ausdruck! Ob ich müde oder hellwach, ärgerlich oder fröhlich bin; ob ich angestrengt über etwas nachdenke oder gelassen und entspannt fernsehe; ob ich eine mathematische Aufgabe löse oder mein Verhältnis zu einer Bezugsperson überdenke; ob ich einen Mord oder einen Zoobesuch plane; ob mich mein Gewissen plagt oder starke Emotionen aufwallen – all diese Vorgänge kämen nicht zustande, würden sich nicht Milliarden von Neuronen im Rahmen unsäglich komplexer Rückkoppelungseffekte miteinander austauschen!
Skeptiker wenden hingegen ein, dass diese Zusammenhänge von biophysikalischen Vorgängen und mentalen Erlebensprozessen nur als Korrelationen, nicht als Kausalzusammenhänge zu betrachten sind! Eine übernatürliche Seele könnte rein hypothetisch auf nicht nachweisbare Art die Materie so beeinflussen, dass sich die besagten neuronalen Erregungsmuster und Schwankungen des Neurotransmittersystems als Folge dieser höheren Ursache einstellen. Das wäre dann ungefähr so, als würde ein unsichtbarer Klavierspieler die Tasten des Instruments betätigen. Die Naturwissenschaft stellt dann einen Zusammenhang zwischen der Abfolge der gedrückten Tasten und den erzeugten Tönen her, ohne den Klavierspieler zu beachten!
Das ist allerdings – wie alles Religiöse und Übernatürliche – reine Glaubenssache! Wenn es so sein sollte, ist es jedenfalls nicht beweisbar! Auch die sog. „Nahtod-Erlebnisse“ liefern bei genauerem Hinsehen keine starken Indizien hierfür (siehe ggf. eigenes Kapitel auf der Partner-Homepage „www.gott-und-wissenschaft.de“).
Die Vorstellung einer übernatürlichen, unsterblichen Seele galt für Jahrtausende als einzig plausible Sinndeutung für Psyche, Persönlichkeit, Bewusstsein, Wahrnehmung, Erinnerung, etc. Die naturwissenschaftliche Befundlage liefert allerdings keine Hinweise für eine Seele!
Nun aber zurück zum eigentlichen Thema- dem Stirnhirn!
Ohne Evolution des Stirnhirns könnten – wie wir an der Darstellung diverser Zusammenhänge eindeutig gesehen haben – Menschen nicht vorausschauend handeln und planen! Wir würden, wie die Tiere im Hier und Jetzt leben und könnten nichts erfinden. Es gäbe keine Werkzeuge und keine Zivilisation!
Das Verrückte ist: Der Mensch hat gegenüber den Schimpansen keine typisch anderen Hirnstrukturen. Das Stirnhirn wäre ggf. das charakteristische Merkmal eines Menschenhirns- aber auch darüber verfügen die Schimpansen. Lediglich die absolute Masse ist beim Menschen viel höher!
Natürlich ist es im Verlauf der Evolution immer wieder zu internen Neuverschaltungen gekommen. Der aufrechte Gang etwa geht sicher nicht nur mit einer Veränderung im Skelettbau und in der Muskulatur einher, sondern auch mit der entsprechenden Reorganisation im Gehirn. Auch die Sprachentwicklung erforderte eine neuronale Umorganisation. Aber das sind alles Anpassungen, keine großartigen Neuerungen!
„………..Wer an die Erschaffung des Menschen durch Gott glaubt, mag sich an dieser Vorstellung stoßen, dass das menschliche Gehirn nichts anderes ist als ein gewöhnliches Affenhirn. Für Evolutionsbiologen ist dieser Gedanke nicht verwunderlich, ja sogar selbstverständlich, schließlich ist der Geist nicht vom Himmel gefallen………!
Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ S. 190“
Worin aber besteht dann der Grund für das extrem komplexe menschliche Bewusstsein und das –zumindest im direkten Vergleich hierzu- geringe Bewusstsein von Menschenaffen?
DIE NATUR DES MENSCH-SEINS:
WARUM NUR WIR?
WARUM HAT AUSSCHLIESSLICH DER MENSCH DEN WEG DER KULTURELLEN EVOLUTION BESCHRITTEN?
Die banalste Antwort hierauf bestünde in der Feststellung, dass der Mensch eine insgesamt höhere Gehirnmasse und natürlich auch einen größeren präfrontalen Cortex hat!
Aber was bewirkt genau diese größere Hirnmasse? Nun ja – dass ein Mensch sprechen und sich mit Mathematik auseinandersetzen kann wissen wir.
ABER WAS IST DER EIGENTLICHE UNTERSCHIED ZWISCHEN AFFE UND MENSCH? KANN MAN DAS TYPISCH MENSCHLICHE IM BEWUSSTSEIN EINGRENZEN?!
Im Buch “Der domestizierte Affe” lässt Peter F. Weber einen Direktor am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig, Michael Tomasello, zu Wort kommen:
„……Menschen identifizieren sich mit anderen Menschen viel stärker als andere Lebewesen mit ihren Artgenossen. Diese Identifikation „ich bin wie er“ beginnt schon sehr früh im Babyalter. Daraus entsteht die Fähigkeit, das Verhalten anderer zu imitieren. Hinzu kommt, dass Eltern ihre Kinder aktiv unterrichten – ein weiteres menschliches Charakteristikum. Imitation und Unterricht verhindern, dass kulturelle Erfindungen, die im Laufe vieler Generationen gemacht wurden, wieder verloren gehen. Später kommt die geplante Zusammenarbeit zwischen Individuen noch dazu….“
Diese 3 Formen des kulturellen Lernens bilden nach Meinung des Max-PlanckPsychologen die Voraussetzung, damit Kultur entsteht.
„..Im Alter von 9 Monaten sind Babys Imitationsmaschinen. …… Sie imitieren in den folgenden 2 Jahren einfach alles, und zwar haargenau, auch wenn es unsinnig erscheint….“
„………Es gibt dazu verblüffende Video-Aufnahmen von den Wissenschaftlern. In einem Versuch wird sowohl einem zweijährigen Kind als auch einem Schimpansen vorgeführt, wie man mit einem Rechen ein Objekt heranangeln kann. Dabei geht der Psychologe, der das Ganze vormacht, nicht gerade clever vor, im Gegenteil, er demonstriert das Verfahren sehr umständlich. Anschließend dürfen die 2 Probanden versuchen, an das Objekt zu kommen. Dabei zeigt sich ein frappierender Unterschied: Der Schimpanse schnappt sich den Rechen und versucht, auf seine Art ans Ziel zu gelangen – wobei er im Test sogar besser abschneidet als der Psychologe. Das Kind hingegen handelt genauso umständlich wie sein großes Vorbild. Man könnte daraus, beeindruckt von der Leistung des Menschenaffen, schließen, dass der Schimpanse intelligenter ist als das Kind….“
„Aber das stimmt natürlich nicht“, erklärt Tomasello. „Die beiden Arten verfolgen schlicht unterschiedliche Lernstrategien. Was der Schimpanse macht, bezeichnen wir als Emulationslernen. Das Verhalten, welches das Kind gezeigt hat, ist reines Imitationslernen….“
„……Der Schimpanse sieht das Ziel, und da will er selbst hin. Das Kind sieht den Menschen, und da ein Erwachsener normalerweise klüger handelt als es selbst, macht es durchaus Sinn, dessen Verhalten zu imitieren.……“
DAS KIND VERSTEHT ABER SEHR WOHL WAS DER ERWACHSENE TUN WOLLTE!
„….In diesem Alter verstehen Kinder bereits die Absichten anderer Menschen. Ich erzähle Ihnen ein Beispiel: Sie öffnen vor den Augen eines Ein- oder Eineinhalbjährigen ein Milchfläschchen und schenken den Inhalt in ein Glas. Dabei passiert (absichtlich) ein kleiner Unfall, und sie schütten das Glas Milch aus. Wenn Sie danach den gleichen Versuch mit einem Kind machen, wird es das Fläschchen öffnen und die Milch ins Glas schütten, ohne das Glas umzustoßen. Es hat also Ihre Absicht verstanden. Und dazu sind Kinder sicher schon mit 9 Monaten in der Lage…..“
„….Den Unterschied kann man also kurz folgendermaßen formulieren: Schimpansen wollen ans Ziel kommen. Kinder wollen Menschen verstehen……“
Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ S. 199 ff“
„….Kinder beginnen ab einem Alter von 9 Monaten, sich mit anderen zu identifizieren“, erklärt Tomasello. „Sie verstehen dadurch, dass andere Menschen so sind wie ich, dass sie Absichten haben so wie ich und dass sie ihre Aufmerksamkeit gemeinsam auf äußere Dinge lenken können…“
„….Menschen erschaffen so eine geteilte Intentionalität: „Ich bin so wie du, du hast Absichten wie ich“. Dadurch können Kinder etwas vom Standpunkt anderer lernen, und indem sie sich an die Stelle der Erwachsenen versetzen, kommen sie zum Verständnis, wie sie die Objekte ihrer Kultur (Spielzeug, Löffel, Gabel, Schuhe etc.) gebrauchen können, aber auch zu den sozialen Gepflogenheiten ihrer Kultur (Kleidungsstil, was man vom eigenen und anderen Geschlecht erwartet, was gut und was böse ist etc.). Und Erwachsene können infolge dieser geteilten Intentionalität ihre Kinder lehren…………“
Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ Seite 200
„…Wenn wir unseren Blick noch einmal auf Kleinkinder richten, so scheinen diese schon mit 8 Monaten über eine Fähigkeit zu verfügen, die man als Objektpermanenz bezeichnet. In diesem Alter sind die Stirnlappen (und das Arbeitsgedächtnis) so weit herangereift, dass die Kinder zu der Einsicht gelangen, dass Mama oder ein Spielzeug auch dann noch existieren, wenn diese aus dem Blickfeld verschwunden sind. Nur wenige Monate später verstehen sie auch – wie oben beschrieben – die Absicht eines Erwachsenen, wenn dieser aus einer Flasche Milch in ein Glas schenkt; ein kleiner „Unfall“ wird bereits als solcher erkannt. Einjährige sind also „Kopieranstalten“, welche die Absichten anderer nachvollziehen können….“
Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ S. 202
Tomasello weist ferner darauf hin, dass die Mechanismen typisch menschlichen Lernverhaltens nur innerhalb einer menschlichen Gesellschaft greifen! Kindliche Imitation ist die eine Seite der Medaille, das Lehren die andere. Der Hirnforscher Gerald Hüther („Die Macht der inneren Bilder“/ „Gebrauchsanweisung für ein Gehirn“) hält es für denkbar, dass ein menschlicher Säugling schon vor 100.000 Jahren einen vergleichbaren Intellekt eines heutigen Babys besaß.
„… Wäre aber einer dieser frühen Vorfahren des Menschen heute zur Welt gekommen, spräche er fließend Deutsch wie wir, hätte er gelesen, was wir heutzutage so lesen, könnte er sich auch noch in Englisch oder einer anderen Sprache mit Menschen aus anderen Kulturkreisen verständigen und austauschen, und das alles genauso gut oder schlecht wie wir heutzutage. Die Anlagen dazu waren vor 100.000 Jahren bereits vorhanden, nur die Bedingungen dafür, dass diese Anlagen in der Weise genutzt werden konnten, wie wir sie heute nutzen können, gab es damals noch nicht…..“
Gerald Hüther/ Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn/ Vandenhoeck & Rupprecht GmbH & Co. KG, S. 64
Rein anatomisch sei das menschliche Hirn also schon seit 100.000 Jahren so beschaffen wie heute, wobei es nun dahingestellt sei, ob diese Zahl zu hoch gegriffen ist! Aber unter den damaligen Bedingungen erfolgte niemals ein äußerer Input, der die Heranreifung eines typisch menschlichen Intellekts ermöglicht hätte! Mamma und Papa haben ihrem Steinzeit-Baby bestimmt kein Bilderbuch mit sämtlichen Tierarten gezeigt oder explizit vorexerziert, wie man einen Speer möglichst weit schleudert! Sie haben es auch sicher nicht systematisch dazu angehalten, sich die damaligen Kommunikationslaute (einer mutmaßlichen „Protosprache“) einzuprägen! Ein frühes Menschenkind konnte sich nur dasjenige durch Beobachtung und Imitation aneignen, was man ihm in Abwesenheit strategischer und zielgerichteter Lehrunterweisungen an Input lieferte!
„….. Es ist eindeutig so, dass sich Menschen nur in einem spezifisch menschlichen Umfeld zu Menschen entwickeln. Und dieses soziale Umfeld ist mit dem Menschen entstanden.
Wir Menschen können also nur in einer sozialen Gemeinschaft von anderen Menschen unsere Entwicklung zum Menschen durchmachen. Das eine geht nicht ohne das andere……“
„…Imitation ist eine charakteristische menschliche Fähigkeit. In ihr liegt ein bedeutsamer Unterschied zwischen Menschen und Vormenschen. Diese Ausstattung erlaubte es Homo habilis, seine Artgenossen als intentionale Wesen zu verstehen, die Absichten hatten und Ziele verfolgten. Damit wurde ein Prozeß in Gang gebracht, der aus einem gewöhnlichen Menschenaffen einen domestizierten Affen machte….“
Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/
Wir haben nun die herausragende Rolle des Stirnhirns kennen gelernt! Wir haben erfahren, dass ein menschliches Hirn ganz stark auf äußeren Input angewiesen ist, wenn sich hierin eine „normale“ menschliche Psyche und „normale“ kognitive Leistungsmerkmale entwickeln sollen! Das Gehirn saugt nämlich Regeln aus seiner Umwelt heraus, indem es jeglichen Inhalt (automatisch) nach Häufigkeit und Regelmäßigkeit kategorisiert und Muster erkennt!
Aber wie ist das konkret möglich? Gibt es einen bestimmten Faktor, der es dem menschlichen Hirn erlaubt, diese gewaltigen Lernleistungen zu vollbringen?
SPIEGELNEURONE-
DES RÄTSELS LÖSUNG ?
Nachfolgend werden wir etwas über die sog. „Spiegelneurone“ erfahren. Sie gelten den Hirnforschern als die biologische Ursache für das explizit menschliche Imitationsverhalten, das offenbar einen fundamentalen Aspekt der menschlichen Natur darstellt!
„Die Spiegelneurone wurden zufällig vom italienischen Neurobiologen Giacomo Rizzalotte entdeckt. Er hatte Makaken (eine Affenart) Mikroelektroden ins Hirn implantiert, um zu sehen, welche Nervenzellen aktiv sind, wenn die Versuchstiere nach kleinen Gegenständen greifen.
Nun stellte er aber fest, dass bestimmte Nervenzellen auch dann heftig feuerten, wenn die Tiere ihm einfach nur bei einer Handlung zusahen und dabei offenbar seine Absicht erkannten (wenn er etwa nach einer Nuß griff). Ein Objekt, das einfach nur auf dem Tisch lag, reichte nicht aus, um die Spiegelneuronen zu aktivieren, ebenso wenig ein zielloses Herumfuchteln mit der Hand!
Er legte dann vor den Augen der Versuchstiere einen Apfel auf den Tisch, stellte anschließend einen Karton als Sichtschutz davor und griff dann hinter den Karton nach dem Apfel. Die Makaken erkannten, was er vorhatte, und dementsprechend wurden ihre Spiegelneurone aktiv!
Die menschlichen Spiegelneurone sind noch leichter zu erregen! Sie reagieren auch auf bedeutungslose Fuchteleien! Deshalb imitiert ein nur 6 Wochen altes Baby bereits Grimmassen die man ihm vormacht (etwa Zunge rausstrecken)!
Diese Spiegelneurone scheinen eine Erklärung dafür zu sein, wie ein Kind visuelle Information in Wissen umwandelt!
Menschen lernen, sich in andere einzufühlen und deren Absichten nachzuvollziehen. Unsere neuronalen Netzwerke simulieren permanent- automatisch und unbewusst- sämtliche Handlungen und Emotionen, die wir wahrnehmen.
Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ S. 202
„THEORY OF MIND“
Dieser Umstand verhilft uns zu einer besonderen mentalen Perspektive, die ein Tier in vergleichbarer Ausprägung nicht haben kann! Wir haben eine sog. „Theory of mind“ – die Fähigkeit, uns in andere hineinzuversetzen, die Perspektive des anderen zu simulieren und uns zu fragen:“ Was würde er an meiner Stelle tun? Was weiß er, was ich über ihn weiß, was kann er nicht wissen und wie soll ich entsprechend handeln?“
Interessant ist hierbei folgende Feststellung: Menschen werden nicht mit der Fähigkeit einer „Theory of mind“ geboren. Erst ab einem bestimmten Reifegrad des Stirnhirns bildet sich diese Fähigkeit heraus! Und dies passiert mit etwa 4 Jahren!
Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ S.202
Dazu gibt es ein hochinteressantes Experiment:
„….Der Psychologe sitzt mit seinem kleinen Probanden vor einem Puppenzimmer. Mitspieler sind 2 Figuren, nämlich Maxi und Lisa. Lisa legt eines ihrer Kleidchen in einen Schrank und verlässt dann für einen Moment das Puppenzimmer. In dieser Zeit nimmt der schlimme Maxi das Kleidchen und versteckt es in einer Schublade. Dann kommt Lisa wieder herein. Der Psychologe fragt nun das Kind: „Wo wird Lisa gleich nach dem Kleidchen suchen?“ Der Dreijährige schaut etwas ratlos und antwortet dann: „In der Schublade.“ Der Vierjährige grinst den Psychologen an und sagt: „Im Schrank; die Lisa weiß ja nicht, dass der Maxi es da rübergelegt hat.“
„…Man könnte meinen, im Gehirn eines Vierjährigen befinde sich ein Schalter, der umgelegt wird, und plötzlich sei die Theory of Mind da. Aber das stimmt natürlich nicht. Diese Fähigkeit reift langsam im kindlichen Gehirn heran. Ihre Anfänge liegen in der Fähigkeit zur Imitation begründet und in der Fähigkeit, dass bereits Einjährige die Absichten anderer erkennen. (Erinnern wir uns nur an das Beispiel mit der Milchflasche: Wenn der Erwachsene etwas Milch verschüttet, ahmt das Kind diesen „Unfall“ nicht nach). Diese intentionalen Fähigkeiten, die Voraussetzung dafür sind, dass man die Vorhaben anderer erkennt, nehmen im Laufe der ersten Lebensjahre stetig zu. Mit der fortschreitenden Entwicklung ihrer sprachlichen Fähigkeiten lernen Kinder schließlich auch die unterschiedlichen Perspektiven kennen:
Ich
Ich – du – er.
Ich mache – du machst – er macht. Ich will, dass du machst.
Ich glaube, dass er will, dass du machst.
Das Verstehen dieser unterschiedlichen Perspektiven als Folge der Sprachentwicklung mündet im Auftauchen der Theory of Mind im Alter zwischen 3,5 Jahren und 4,5 Jahren.
Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ S. 206,207
Mit etwa 4 Jahren beginnen Kinder auch zu lügen- ein unmissverständliches Anzeichen für das Erwachen der „Theory of mind!“
Absichtliches Lügen setzt nämlich voraus, dass man versteht, was man mit Lügen erzielt- nämlich, dass man im Anderen einen falschen Glauben erzeugen kann.
Auch hierzu gibt es ein beeindruckendes Experiment:
„…. Teilnehmer sind eine böse Puppe und ein Kind. Auf dem Tisch liegen einige unterschiedlich schöne Aufkleber. Der Psychologe fragt das Kind: „Welchen möchtest du am liebsten?“ Das Kind schaut sich die bunten Aufkleber an und zeigt dann erwartungsvoll auf seinen Lieblings-Sticker. Dann wird der bösen Puppe gesagt, sie dürfe zuerst wählen. Und prompt nimmt die böse Puppe den Lieblings-Sticker. Wenn man diesen Versuch mit einem Vierjährigen oder Fünfjährigen wiederholt, zeigt dieser in der Regel schon beim zweiten Durchgang auf einen anderen Aufkleber. Aber ein Dreijähriger zeigt immer wieder auf seinen Lieblings-Aufkleber. Manchmal sind die Kinder regelrecht frustriert, weil sie schon wissen, dass ihnen die böse Puppe gleich wieder den Sticker vor der Nase wegschnappt. Einige versuchen sogar, das zu verhindern, indem sie sich an den Aufkleber klammern. Ihre Hilflosigkeit bricht einem das Herz. Aber auch wenn der Psychologe den Versuch ein fünftes Mal wiederholt, zeigen sie wieder auf ihren Lieblings-Sticker. Lügen funktioniert nicht in diesem Alter!
Ein Vierjähriger weiß hingegen, dass er in der bösen Puppe einen falschen Glauben auslösen kann, indem er vorgibt, einen anderen Sticker lieber zu mögen.
Ab nun kennt ein Kind den Unterschied zwischen Sein und Schein. Es ist die Zeit, da der Weihnachtsmann aufhört zu existieren, weil das Kind merkt, dass Onkel Rudi dahintersteckt.
Die großen geistigen Entwicklungssprünge sind damit für ein Kind abgeschlossen. Was folgt, ist im Wesentlichen eine mehrjährige Phase intellektueller Reifung, in der das Kind zwar auch noch vieles lernen muss, aber es sind keine Sprünge mehr. Wie wir im vorigen Kapitel erfahren haben, steigt der Energieverbrauch vor allem im Stirnhirn noch bis zum achten Lebensjahr an, um danach abrupt abzufallen. In diesen Jahren lernt das Kind seine Aufmerksamkeit zu fokussieren und sein Verhalten zu kontrollieren. Außerdem reift das Selbstbewusstsein heran. Es beginnt logisch zu denken und Probleme durch Vernunft zu lösen. Ein Erstklässler, der sich noch mit dem Sammeln von Buchstaben abmüht, scheint von den Fähigkeiten eines Erwachsenen meilenweit entfernt. In Wahrheit sind alle zukünftigen Hürden, die es noch zu nehmen gilt, nichts im Vergleich zu den bisherigen Errungenschaften….“
Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ S. 208. Allerdings beruft sich hier der Autor seinerseits auf eine Quelle: Elliot, L. „Was geht da drinnen vor“, Berlin Verlag, 2001 (übersetzt von Barbara Schaden).
Unsere Fähigkeit eine „theory of mind“ zu entwickeln, ist nach Ansicht mancher Wissenschaftler der Kern dessen, was uns von Schimpansen unterscheidet!
Hier könnte man jetzt einwenden: „Aber mein Hund merkt doch auch wenn ich mich schlecht fühle und kuschelt sich unaufgefordert an mich!“
„Und warum können Schimpansen mit Symbolsprache kommunizieren? Die müssen doch auch irgendwie ahnen, dass ihr menschliches Gegenüber ein autonomes Wesen ist, dass sie verstehen kann?!“
Die Einwände hören sich plausibel an und sind auf sich selbst bezogen auch stimmig! Aber das reicht nicht zu einer „theory of mind“! Schimpansen können bspw. auch die Grammatik der menschlichen Sprache nicht verarbeiten, weil auch hierfür (für die Darstellung von Beziehungen) eine erweiterte mentale Perspektive nötig wäre!
„….Was Schimpansen abzugehen scheint, ist der geteilte Aufmerksamkeitsraum, die Fähigkeit, ihre Aufmerksamkeit gemeinsam auf Dinge zu lenken, um gemeinsam Ziele umzusetzen. Nicht, dass diese Menschenaffen keine Ziele hätten. Sie verstehen auch bis zu einem gewissen Grad die Absichten ihrer Gefährten; sie erkennen, wenn diese frustriert oder zufrieden sind und was sie gleich tun werden. Aber sie können nicht in die Gedankenwelt der anderen hineinschauen und gemeinsam Pläne schmieden. Was das bedeutet, lässt sich am besten am Beispiel der Jagd erklären.
Schimpansen verbringen viel Zeit am Boden. Wenn sie Kolobus-Affen in den Baumkronen wahrnehmen und eines der Schimpansen-Männchen Appetit auf Fleisch bekommt, starrt es in den Baum, wo die Äffchen herumturnen. Die übrigen Schimpansen erkennen diese Absicht und starren ebenso in den Baum. Plötzlich steht das Männchen auf und nähert sich den Kolobus-Affen. Die anderen Schimpansen klettern in die Nebenbäume, um als Treiber zu agieren oder der fliehenden Beute den Weg abzuschneiden. So ziehen sie den Kreis immer enger. Hat ein Schimpanse ein Äffchen erwischt, frisst er das Fleisch weitgehend allein auf; Schimpansen teilen nicht gerne. Diese Jagden zeigen zwar eine Form der Zusammenarbeit, aber die Menschenaffen setzen sich nicht zusammen und schmieden einen Plan, wie man die Jagd am besten angeht, sondern jeder entscheidet in dem Augenblick für sich, was er wann tut.
Menschen vermögen auch die Gedanken anderer zu lesen. Sie wissen, welches Ziel der andere anstrebt, wenn er aufsteht, selbst wenn dieses Ziel räumlich oder zeitlich in der Ferne liegt. Das ist ein wesentlicher Unterschied!“
Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ S. 210,211
Die „NATUR DES MENSCH-SEINS“
könnte man im Rahmen einer streng naturwissenschaftlichen Betrachtung also folgendermaßen definieren:
Im biologischen und psychologischen Sinn
ist das gesamte Stirnhirn mit dem präfrontalen Cortex sowie der hohen Menge an „Spiegelneuronen“ in der genannten Struktur für die gravierenden Unterschiede zwischen dem menschlichen Bewusstsein und jenem der Tiere verantwortlich!
Ebenso das außergewöhnliche Imitationsverhalten und diverse präorganisierte Mechanismen, aufgrund derer wir u.a. die Muttersprache samt ihrer Grammatik spielend-beiläufig erlernen!
Die Bildung einer „theory of mind“ – bedingt durch die Reife der Stirnlappen- befähigt uns letztlich zu außergewöhnlichen mentalen Perspektiven und zu einem „Meta-Bewusstsein“. Letzteres schließt die Erkenntnis mit ein, über eine eigene Identität zu verfügen.
Ein weiterer Punkt liegt im sozial-kulturellem Kontext:
Wir haben erfahren, dass das menschliche Gehirn erst nachgeburtlich reift!
Um ein Hund zu sein genügt es, Hunde als Eltern und somit die DNA eines Hundes zu haben! Dasselbe gilt für Enten, Blattläuse, Affen, Sonnenblumen und sämtliche Lebensformen, die jemals gelebt haben – außer dem Menschen!
Zu einem „richtigen“ Menschen kann ich nur werden, wenn mein zum erheblichen Teil nachgeburtlich heranreifendes Gehirn mit kulturellem Input aus einem typisch menschlichen Umfeld gefüttert wird!
In dieser Aussage steckt nicht der geringste Hauch einer philosophischen, polemischen oder ideologischen Komponente, etwa im Sinne wie „Nur ein …(Christ, CDU-Wähler, FC Bayern-München-Fan,…) sei ein richtiger Mensch!“
Es ist vielmehr eine eindeutig belegte Tatsache, dass nur ein menschliches Umfeld im Hirn eines Säuglings jene präorganisierten (von Geburt angelegten) Mechanismen stimulieren kann, die einen typisch menschlichen Geist, ein typisch menschliches Bewusstsein, eine menschliche Sprache und einen „normalen“ menschlichen Intellekt hervorbringen können. Nur unter Menschen kann ein Mensch Sprache und eine „Theory of Mind“ entwickeln!
Soweit einige kurze Fakten über die „Natur des Mensch- Seins“. Man könnte an dieser Stelle noch den aufrechten Gang noch erwähnen- aber nicht unbedingt als einen fundamentalen Aspekt, sondern vielmehr als eine explizit menschliche Besonderheit!



