Intelligenz, Sprache und inneres Erleben

DER MENSCHLICHE GEIST – VOM HIMMEL GEFALLEN?

Die Kreationisten (eine Gruppe christlicher, gegen die Evolutionstheorie polemisierender Fanatiker) behaupten, das menschliche Bewusstsein hätte sich nicht erst nach und nach im Zuge immer komplexer werdender Zentralnervensysteme herausgebildet! Vielmehr war der Mensch von Anbeginn (der „Schöpfung“) intelligent und auch mit der Fähigkeit der Sprache ausgestattet gewesen.

Als Beweis wird in einem ihrer pseudo-wissenschaftlichen Filme ein (von der Naturwissenschaft) auf etwa 400.000 Jahre datierter Stein angeführt (laut Bibel dürfte die Welt allerdings erst grob 6000 Jahre alt sein), auf dessen Oberfläche systematische Einkerbungen zu sehen sind – so als hätte jemand eine Art „Morsecode“ eingeritzt!

Dies soll belegen, dass zu einer Zeit, in der nach Sicht der Naturwissenschaft eigentlich nur grunzende und affenähnliche Hominiden gelebt haben sollen, bereits Schrift und Kultur vorhanden waren!

Fakt ist: Tatsächlich waren die Vor-Menschen wesentlich früher zu manchen Dingen befähigt, als lange Zeit angenommen wurde! D.h. der Beginn der sog. „kulturellen Evolution“, die als logische Folge auf das Erscheinen des menschlichen Bewusstseins und der menschlichen Sprache zu betrachten ist, muss wohl etwas weiter in die Vergangenheit zurückdatiert werden! Auch die ausgestorbenen Neandertaler schienen nach neueren Erkenntnissen über gewisse kulturelle Fähigkeiten und wahrscheinlich auch über geringfügige Fähigkeiten der Verbalisierung (eine sog. „Protosprache“) verfügt zu haben!

Das bedeutet aber nicht, dass diese Fähigkeiten vom Himmel gefallen wären, anstatt sich im Zuge der menschlichen Evolution entwickelt zu haben!

Ich beginne mit einigen Aussagen aus dem Buch „Der domestizierte Affe“ – Untertitel: „Die Evolution des menschlichen Gehirns“- von Peter F. Weber:

Er beschreibt einen besonderen Fund, der in Deutschland (Bilzingsleben in Niedersachsen) gemacht wurde: Es handelte sich um 2,30 Meter lange, auf mehr als 60 Zentimeter gleichmäßig fein bearbeitete Jagdspeere, etwa 4cm im Durchmesser, mit haarnadelscharfer Klinge. Von den Maßen her entsprechen sie etwa einem modernen Wettkampfspeer! Sie sind aber 400.000 Jahre alt und legen nahe, dass ihre Hersteller tatsächlich einen gewissen „Verstand“ gehabt haben müssen!

Die ersten Werkzeuge überhaupt wurden indes wohl schon vor 2,5 Millionen Jahren benutzt! Es handelte sich um primitiv behauene Steinwerkzeuge!

„ …….Natürlich ist auffällig, dass genau zu jener Zeit auch der erste Mensch (homo habilis) auftaucht. Allerdings beginnt damit kein technologischer Wettlauf, so wie wir es heute gewohnt sind; die technologische Entwicklung damals gleicht vielmehr einem öden Dahintrotten. Mehr als 1 Million Jahre lang ändert sich an diesem „Oldowan“-Geröllwerkzeug“ praktisch nichts……..
Vor 1,5 Millionen Jahren treten fortschrittliche Faustkeile auf, die von Archäologen manchmal als „Schweizermesser der Urzeit“ bezeichnet werden.“

 Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ S.57

 „…. Ein echter Kultursprung ist für viele Prähistoriker erst vor 50.000 Jahren erkennbar. Unsere Urahnen legen plötzlich ein Ausmaß an Kreativität und Erfindungsreichtum an den Tag wie nie zuvor: Sie verarbeiten Muscheln zu feinem Schmuck, besiedeln Australien und Europa, bemalen Höhlenwände mit Tiersymbolen, kreieren Figurinen von atemberaubender Schönheit und entwickeln ein mörderisches Waffenarsenal, etwa Speerschleudern vor 18.000 Jahren und Pfeil und Bogen vor 11.000 Jahren. Diese sog. Cro-Magnon-Menschen 1 verfügen über einen ruhelosen Innovationsdrang, (………), und zeigen einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik und Harmonie………..“

 Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ S.58

1)= Bei diesem Begriff handelt es sich nicht um eine biologische Bezeichnung (wie homo habilis), sondern um eine ethnologische Definition!

Wie wir sehen, verlief der Beginn der kulturellen Evolution und des technischen Fortschrittes sehr, sehr zögerlich! Die ersten Menschen können unmöglich über eine komplexe Sprache und über signifikante kulturelle Fähigkeiten verfügt haben! Sonst wären sie nicht eine halbe Ewigkeit bei Faustkeilen und „Schotterwerkzeugen“ stehen geblieben!

Und auch jene Hominiden, welche die hochinteressanten Speere von Bilzingsleben hergestellt hatten, besaßen noch lange nicht die Fähigkeiten des etwa 50.000 Jahre alten modernen Menschen! Wie P.F. Weber in „Der domestizierte Affe“ anmerkt schützten sie sich zweifellos bereits mit Häuten und Fellen vor der Kälte und benutzten vermutlich Ahlen aus Stein, um Löcher in diese Kleidung zu stechen. Im Gegensatz zum modernen Menschen aber verwendeten sie bspw. noch lange keine Knochennadeln mit Öhr (was ein eindeutiger Beleg dafür wäre, dass sie Kleider genäht hätten), schnitzten keine Kunstgegenstände und brannten keine Tonfiguren, benutzten keine steinernen Öllampen und machten keine Musik auf knöchernen Flöten!

Diese Unterschiede entsprechen etwa dem zwischen einem hölzernen Pferdewagen und einem Ferrari! Ein großartiger genetischer Umbau war indes nicht nötig, um diesen Entwicklungssprung zu schaffen! Hierfür reichte die kulturelle Evolution!

Die kulturelle Evolution mit ihrer einhergehenden Technisierung stellt einen autokatalytischen, d.h. sich selbst verstärkenden Prozess dar. Die Beschleunigung dieses Prozesses hält bis zum heutigen Tage an!

Ich möchte auf einige Erfahrungswerte aus meinem eigenen Leben zurückgreifen:  Ich wurde 1971 in einer ländlichen Gegend Bayerns (Monheim/Schwaben) geboren und wuchs in einem kleinen Dorf (Itzing) auf. Als Grundschüler erlebte ich wie die Straßen unseres Dorfes asphaltiert, Telefonmasten aufgestellt und Haustelefonanschlüsse installiert wurden (die Rede ist hier speziell vom regionalen, nicht vom globalen In-Erscheinung-Treten).

Als ich 18 Jahre alt war, hatten viele Autos noch Vergaser-Motoren und keine Airbags. Musik hörte man von Kassetten mit Band, Videos sah man sich auf VHS –Kassetten an! Mein erster Computer hatte keine Festplatte und nur 128 KB Arbeitsspeicher. CD-Rom, USB-Stick, Handy u.v.a. waren damals unbekannt! Das Internet existierte wohl in rudimentären Anfängen im nicht-zivilen Bereich. Ich hege die persönliche (rein subjektive – nicht logisch begründbare) Hoffnung, vor meinem Tod (sollte es mir gelingen, 85 Jahre alt zu werden, hätte ich ihn im Jahr 2056 zu erwarten) noch den Beginn der kommerzielle Kernfusion und die ersten Quantencomputer im industriellen Einsatz zu erleben.

Hätte ich in der Steinzeit gelebt, hätten meine (fiktiven) Urururenkel noch immer mit den gleichen technischen und kulturellen Objekten hantiert wie meine Urururgroßeltern!

GEGENÜBERSTELLUNG:
TIERISCHE und MENSCHLICHE INTELLIGENZ

Überhaupt betreiben die Kreationisten eine in sich unschlüssige „Scherenargumentation“! Auf der einen Seite reduzieren sie die Minimalkriterien für Begriffe wie „Intelligenz“ und „Kultur“ derart, dass ein paar systematisch angeordnete Ritze auf einem Stein als Beleg für deren Vorhandensein herhalten müssen. Dann könnte man allerdings auch Tieren Intelligenz zuschreiben!

Nachfolgend sollen selektiv einige Beispiele für Werkzeug-Benutzung im Tierreich erwähnt sein: Affen zertrümmern Nüsse auf Steinen, die sie wie Hammer und Amboss einsetzen oder sie stochern mit Zweigen in einem Termitenhaufen herum, um die Insekten anschließend von ihrem Werkzeug ablutschen zu können. Fischotter schwimmen mitunter in Rückenlage, legen sich eine Muschel nebst einem Stein auf den Bauch und knacken dieselbe unter Verwendung des Steines als Werkzeug! Manche Vögel werfen gestohlene Eier auf felsigen Untergrund um sie danach austrinken zu können, etc.

Auf der anderen Seite jedoch – eben wenn es um die „Intelligenz“ der Tiere geht- werden die Ansprüche für „Intelligenz“ wieder so hoch angesetzt, dass nur Wesen die über eine verbale Lautsprache mit einer komplexen Syntax und Grammatik verfügen, als intelligent einzustufen sind. Diese strenge Definition trifft ausschließlich auf den Menschen zu! Es ist aber wohl zweifelhaft, ob das Individuum, das im erwähnten Kreationisten-Film die wenigen vertikalen Linien in den Stein ritzte, auch wirklich über ein für heutige Begriffe komplexes mentales Innenleben, eine komplexe Psyche verfügte ?!

Möglicherweise konnte dieser ritzende Hominide ein paar differenzierte Laute von sich geben, mit denen er einige wenige konkrete Objekte seiner Umwelt bezeichnen und dieselben somit als abstrakte Repräsentation in seinem Hirn speichern konnte?! Aber das können auch Papageien!

Das Interesse der Kreationisten, eine möglichst große und stufenlose Barriere zwischen tierischen Kognitions-Leistungen und menschlicher Intelligenz zu verorten, ist nachvollziehbar! Sie wollen schließlich suggerieren, dass eine biologisch-evolutionäre Entwicklung von der einen zur anderen Sache ausgeschlossen sei !

SPRACHE-
DAS MENSCHLICHE PRIVILEG

Mit Hinweis auf die menschliche Sprache treffen sie zunächst den Nagel auf den Kopf! Keine Lebensform verfügt über etwas, dass der menschlichen Sprache im näheren Sinne gleichkäme!

Papageien und Schimpansen arbeiten – wenn man sie entsprechend trainiert- zwar auch mit symbolischen und verbalen Begriffen, mit denen sie Objekte bezeichnen und auch manche Beziehungen zwischen Objekten darstellen können! Papageien bspw. können Gegenstände einer bestimmten Kategorie nach Eigenschaftsmerkmalen unterscheiden und diesbezügliche Fragen (z.B. „Welcher Stift ist länger?“) auch präzise beantworten. Aber sie können niemals Sprache so einsetzen wie ein Mensch, können niemals so komplexe Bedeutungsinhalte und Beziehungen zwischen sprachlichen Objekten herstellen! Manche abstrakte Bedeutungsinhalte wie etwa zeitliche Dispositionen (gestern, heute, morgen, vorher, nachher, u.a.) existieren für Tiere nicht! Kein Hund würde bspw. die Anweisung: „Bring mir morgen meine Pantoffel“ (oder in 2 Stunden, am Dienstag, nächste Woche,..) verstehen! Er kann zwar die Pantoffel bringen, weil er dazu befähigt ist, eine mentale Verknüpfung zwischen dem Begriff und seiner Entsprechung in der physikalischen Wirklichkeit abzurufen! Aber er kennt kein Gestern und kein Morgen!

BESONDERHEITEN DER MENSCHLICHEN SPRACHE

Die menschliche Sprache ist einzigartig! Ohne Sprache wäre vermutlich auch kein ausgeprägtes Ich-Bewusstsein und kein Identitätsempfinden möglich! Und ganz bestimmt wäre ohne Sprache keine kulturelle und technische Evolution möglich gewesen! Es hätte niemals ein römisches Imperium, steinerne Brücken und Türme, Handys oder Raumfahrten gegeben!

Die Sprache stellt auch den fundamentalsten Unterschied zwischen Menschen und Tieren dar!

Aber was ist denn an der menschlichen Sprache im Vergleich zu tierischen Kommunikationsformen so super spektakulär anders?!

„…..Im Sprechen spiegelt sich die Dynamik und die Natur des Denkens wieder, denn in der Sprache formt, ordnet und definiert der Mensch mentale Beziehungen innerer Bilder!….“

„……Es bestehen erhebliche Analogien zwischen Sprechen und Denken bzw. Denken funktioniert abgesehen von bildhaften Vorstellungen insbesondere  durch inneres Sprechen……“

„…..Zweifellos ist die Fähigkeit Sätze zu bilden das, was menschliche Intelligenz ausmacht – ohne Syntax wären wir kaum gescheiter als Schimpansen…….“

William H. Calvin/  „Wie das Gehirn denkt – Die Evolution der Intelligenz“/ Elsevier Spektrum Akademischer Verlag

Diese drei Zitate greifen bestimmt nicht zu kurz, um die außergewöhnliche Funktion und Bedeutung der menschlichen Sprache hervorzuheben!

Tiere verfügen auch über verschiedene Laute, mit denen sie sich verständigen können. Grüne Meerkatzen benutzen im Freiland vier verschiedene Alarmrufe, einen für jeden ihrer typischen Raubfeinde. Sie verfügen auch über andere Lautäußerungen, beispielsweise, um die Gruppe zusammenzurufen oder vor der Annäherung einer fremden Affengruppe zu warnen. Wilde Schimpansen verwenden etwa drei Dutzend verschiedene Lautäußerungen, die alle ihre Bedeutung in sich selbst tragen. Ein lautes waa ist herausfordernd, ärgerlich gemeint. Ein leises keuchendes Bellen ist eine Drohung. In wraa mischt sich Angst mit Neugier („Seltsame Sache, das da“!) und ein leises huu signalisiert Verwunderung ohne Feindseligkeit („Was ist das bloß?“)

Wenn waa-wraa-huu etwas anderes bedeuten sollte als huu-wraa-waa, müsste der Schimpanse sein Urteil zurückhalten und die Standardbedeutungen eines jeden Rufes so lange ignorieren, bis er die gesamte Sequenz empfangen und analysiert hat. Das geschieht aber nicht! Affen verwenden keine Kombinationen, um Bedeutungen zu übermitteln!

Die menschliche Sprache besteht ebenfalls aus Vokalisationseinheiten die auch als PHONEME bezeichnet werden (z.B. la, le, lu, ba, da, du,…) . Ein Phonem ist die kleinste bedeutungsbestimmende Einheit. Es sei erwähnt das die lautlichen Wörter aller Sprachen der Welt aus tatsächlich etwa nur 70 Phonemen gebildet werden können!

Das interessante dabei ist: Phoneme selbst haben gar keine Bedeutung (obwohl sie bedeutungsbestimmend sind)! Selbst die meisten Wortsilben sind bedeutungslos, bis sie mit anderen Phonemen zu bedeutungsvollen Worten kombiniert werden. Irgendwann auf ihrem Weg zum Hominiden befreiten unsere Vorfahren die meisten Sprachlaute von ihrer Bedeutung.  Nur Kombinationen von Lauten haben heute einen Sinn: Wir verbinden bedeutungslose Laute zu bedeutungsvollen Wörtern während Tiere nicht fähig sind, einen einzelnen Laut von seiner Bedeutung loszulösen und ihn kombinatorisch einzusetzen!

Was kann Sprache?

Durch Sprache entwickeln wir mentale Modelle von Beziehungen!

Die entscheidenden Stichpunkte zu Funktion und Bedeutung von Sprache lauten SYNTAX und Grammatik.

Der Begriff SYNTAX stammt vom griechischen Wort für „anordnen“ und steht für das Ordnen von Wörtern zu Wortverbindungen und Sätzen.

Linguisten engen den Begriff der Grammatik mitunter sehr stark ein und beziehen ihn auf all die kleinen Hilfswörter, die Informationen über relative Positionen vermitteln wie z.B. „nahe“, „über“, und „hinein“,.

Grammatische Elemente können:

– die relative Lage (über, unter, in, auf, bei, neben) und die relative Richtung (auf, zu, von, weg, durch, hindurch, links, rechts, nach oben, nach unten) beschreiben.

– Die relative Zeit (vorher, nachher, während, ..) und die relative Zahl (viele, wenige, einige, die Pluralendungen) beschreiben.

Die Artikel drücken wie die Pronomen (Fürwörter) eine vermutete Vertrautheit oder Nicht-Vertrautheit aus (die/der/das für Dinge, von denen der Sprecher annimmt, sein Gesprächspartner werde sie wieder erkennen, ein/einer/eine für Dinge, von denen der Sprecher annimmt, sein Gesprächspartner werde sie nicht wieder erkennen).

Andere grammatische Elemente kennzeichnen u.a.:

relative Möglichkeiten (können, dürfen)

relative Abhängigkeit (wenn nicht, obgleich, es sei denn, weil)

Besitz (von, haben, Genitiv-s)

Wirkung (durch)

Zweck (für)

Notwendigkeit (müssen)

Verpflichtung (sollen)

Existenz (sein)

Nicht- Existenz (kein, nicht, un-)

Grammatische Worte helfen also, Objekte und Ereignisse relativ zueinander auf einer mentalen Karte von Beziehungen („größer“, „schneller“, usw.) in die richtige Position zu bringen!

Syntax ist ein baumartiges Strukturieren relativer Beziehungen in einem mentalen Modell von Elementen, das weit über die konventionelle Wortanordnung oder den soeben erwähnten Aspekt der Positionierung der Grammatik hinausgeht.

Diese Beziehungen lassen sich am besten mit einem umgedrehten Baum darstellen, dessen Wurzeln nach oben zeigen, einem sog. Strukturbaum. Die baumartige Struktur wird am deutlichsten, wenn man Nebensätze betrachtet, wie im folgenden Kinderreim: „Das ist der Bauer, der das Korn mäht, / Das den Hahn nährt, der morgens kräht/… Das in dem Haus lag, das Hans gebaut hat.“

Solch eine Schachtelung (Einnistung) ist möglich, weil Phrasen nicht, wie es den Anschein hat, seriell aneinandergereiht sind wie Perlen auf einer Kette. Sie sind vielmehr ineinander geschachtelt wie russische Puppen. Es ist eine irrige Annahme, dass sich Worte seriell zu Phrasen und Phrasen seriell zu Sätzen verbinden, so wie sich das Gehen aus einer Folge von Schritten ergibt! Hierzu ein Beispiel: „Das Rind mit dem gewundenen Horn, das Bauer Hans mag.“ Kein einziges Wort ist hierin mehrdeutig, die Phrase insgesamt aber schon! Man weiß schließlich nicht, ob Bauer Hans nun das Rindvieh oder dessen gewundenes Horn mag!

Tiere können also Laute mit Bedeutungen verbinden! Sie können aber keine Laute kombinieren, um abstrakte Bedeutungen zu schaffen!

„Hast Du den schon mal gehört: Ein Mann kommt auf den Bauernhof und sagt, er hätte gerne drei Eier. Daraufhin sagt der Bauer, die hätte er auch gern! Hahaha“

NEIN – Affen erzählen sich ziemlich sicher keine Witze, auch wenn das Bild diesen Eindruck erwecken könnte!

Nebensätze – eine durch und durch menschliche Angelegenheit:

Die Intelligenz jener Tiere die prinzipiell mit verbalen oder symbolischen Begriffen umgehen können (insb. Schimpansen und Papageien) endet also spätestens bei dem, was wir Grammatik nennen! Diese Aussage ist allerdings leicht überspitzt! Sie scheitern bspw. noch nicht bei der zweckmäßigen Verwendung einiger Adjektive und Verben.

Insbesondere ist es aber keinem Tier möglich die eben angesprochenen NEBENSÄTZE bzw. verspachtelte Sätze zu verstehen, geschweige denn zu erzeugen!  Ein Papagei würde den Satz „Der Apfel, dessen rote Schale so schön glänzt, liegt auf dem Tisch“ niemals begreifen! Zumindest jedenfalls würde er nicht verstehen, dass sich der Nebensatz („dessen rote Schale so schön glänzt“) auf den Apfel bezieht.

Der Graupapagei zählt zum engsten Favoritenkreis, wenn es gilt, das intelligenteste Tier zu benennen! Individuen seiner Gattung können sich zahlreiche Wörter (vorrangig Substantive) der menschlichen Sprache aneignen und mit der jeweils korrekten Entsprechung in der Realität verknüpfen. Sogar Eigenschaften und Objektbeziehungen können sie innerhalb eines gewissen Rahmens richtig erkennen. Dennoch- über Grammatik und Syntax menschlicher Sprache verfügen auch diese tierischen Schlaumeier nicht!

Was sagt uns das alles?!

Die Kreationisten haben in jener Hinsicht recht, dass die menschliche Sprache und das menschliche Bewusstsein außergewöhnliche Leistungsmerkmale darstellen, die es in der Tierwelt so nicht gibt!

Aber das heißt noch lange nicht, dass der „GEIST“ im Zuge eines göttlichen Schöpfungsplanes auf unseren Planeten abgeladen wurde! Wir sind eben die einzige Spezies deren evolutionäre Entwicklung so weit vorangeschritten ist! Die anderen Kapitelseiten dieser Homepage setzen sich mit dem menschlichen Gehirn, dessen Strukturen und den möglichen natürlichen Ursachen auseinander, die dazu führten oder geführt haben könnten, dass der Mensch so komplexe mentale Modelle konstruieren bzw. mit einer so komplexen Sprache umgehen kann!

ERLERNEN DER MUTTERSPRACHE – DURCH BIOLOGISCHE (NEURONALE) MECHANISMEN?

Wenn wir einen Blick auf den Sprachlernprozess von menschlichen Kindern werfen, erkennen wir erstaunlicherweise, dass dieser Lernprozess von präorganisierten, also von Geburt an im Gehirn angelegten Schaltkreisen initiiert zu sein scheint:

IST SPRACHE EINE ANGEBORENE FÄHIGKEIT?!

Das Sprachvermögen selbst ist sicherlich nicht angeboren! Sonst könnten auch Kinder sprechen, die in den ersten Lebensjahren unter wilden Tieren aufwuchsen (solche Einzelfälle sind tatsächlich dokumentiert!) oder von Geburt an mehr oder weniger vollständig isoliert wurden. Allerdings gibt es eine lange Indizienkette dafür, dass die Fähigkeit des Spracherwerbs sehr wohl auf angeborenen Mechanismen fußt! Selbstverständlich brauchen diese Mechanismen aber einen entsprechenden Input aus dem menschlichen Umfeld des Kleinkindes!

Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, das Neugeborene die Fähigkeit besitzen, alle der etwa 70 Phoneme (=kleinste bedeutungsbestimmende Lauteinheiten die aber selber keine Bedeutungen aufweisen, wie z.B. la, le, lu, ba, da, du,…)  zu unterscheiden aus denen sich sämtliche Sprachen der Welt zusammensetzen! Bereits im Alter von einem halben Jahr zeigen sie aber unterschiedliche Reaktionen auf die Laute ihrer Muttersprache im Vergleich zu den Lauten, die nicht in ihrer Muttersprache vorkommen!

Die Geschwindigkeit mit der Babys Sprache erlernen ist beispiellos! Der Turbolader schaltet sich mit der Entwicklung der Phonemgrenzen ein! „….“Prototypen“ (von Begriffen) werden zu Magneten die verschiedene Varianten einfangen. Im zweiten Lebensjahr entwickeln Kinder eine ausgeprägte Lernbegierde hinsichtlich neuer Worte, im dritten Lebensjahr fangen sie an, auf Wortmuster zu schließen (sie beginnen konsequent die Vergangenheit –te und Pluralendungen –e bzw. –n zu benutzen, eine Verallgemeinerung, die ohne viel Versuch und Irrtum auftritt), und im fünften Lebensjahr zeigen sie ein starkes Interesse an Erzählungen und Phantasiegeschichten…..“

William H. Calvin/  „Wie das Gehirn denkt – Die Evolution der Intelligenz“/ Elsevier Spektrum Akademischer Verlag

Das kindliche Erlernen von Sprache vollzieht sich also weltweit und kulturübergreifend im Zuge klar definierbarer Zyklen, die sich jeweils durch besondere Merkmale und Besonderheiten auszeichnen! Die Lernleistung ist immens und wird in diesem Umfang nie wieder im späteren Leben vollbracht! Ursache hierfür ist die besondere Neurophysiologie, welche das Kinderhirn innerhalb der betreffenden Zeitfenster aufweist!

„….Sensible Phasen beruhen vermutlich auf den geradezu explosiven Wachstumsschüben der neuronalen Kontaktstellen (Synapsen). Ein Beispiel: Hat ein Neugeborenes in seinem Sehareal noch 2500 Synapsen pro Nervenzelle, so hat sich diese Zahl 6 Monate später auf 18.000 vervielfacht. Danach nimmt die Zahl infolge des neuronalen Darwinismus langsam wieder ab, stabilisiert sich bis zum Alter von etwa 2 Jahren auf rund 15.000 Synapsen pro Nervenzelle, um danach auf das notwendige Maß zurechtgestutzt zu werden. Bei einem Erwachsenen beträgt die Zahl der Kontaktstellen zwischen 1000 und 10.000 pro Nervenzelle….“

 Peter F. Weber/ Der domestizierte Affe/ Patmos Verlag GmbH & Co. KG/ S.171

Etwa mit 18 Monaten beginnen Kinder zu sprechen, indem sie Wörter aneinanderreihen. In dieser Zeit bilden sich im Hirn mehr Kontaktstellen (Synapsen) aus wie jemals zuvor und nie mehr wieder! Die Großhirnrinde verbraucht in diesem Zeitraum sehr viel Energie!

Die ersten Wortketten lauten etwa:

Alle leer
Mama schon
Papa Hut
Hund Pipi

In den folgenden Monaten werden erste syntaktische Regeln eingeflochten; Es kommt zur Bildung der Vergangenheitsform unregelmäßiger Zeitwörter:

Ich sehe- ich sah
Ich laufe– ich lief

Mit etwa 3 Jahren sitzen die Regeln für schwache Verben, werden übergangsweise aber übergeneralisiert und auf alle Zeitwörter angewandt. Dies führt zu typischen Fehlern:

Ich laufte zum Spielplatz
Ich fahrte in den Kindergarten
Ich habe einen Hund geseht
Peter hat alles aufgeesst.

Im nächsten Entwicklungsschritt lernt das Kind die Vergangenheitsform der unregelmäßigen Zeitwörter, die nicht anhand einer allgemeinen Regel gebildet wird.

Ich lief zum Spielplatz
Ich fuhr in den Kindergarten
Ich habe einen Hund gesehen
Peter hat alles aufgegessen.

teils wörtliche, teils sinngemäße Wiedergabe aus „Der domestizierte Affe“ von P.F.Weber

Es versteht sich von selbst, dass Kinder, die innerhalb der kritischen Zeitfenster (z.B. wegen Vernachlässigung) am normalen Sprachentwicklungs-Prozess gehindert werden, lebenslang unter nicht kompensierbaren Defiziten leiden!

„….Kinder erlernen eine mentale Grammatik durch Zuhören (gehörlose Kinder durch Beobachten einer Zeichensprache). Sie eignen sich dabei neue Worte und Assoziationen an, und ein komplexer Satz von Assoziationen bildet die mentale Grammatik einer bestimmten Sprache. Etwa ab dem 18. Lebensmonat beginnen Kinder, die Regeln der Sprache ihrer Umgebung zu entdecken und wenden sie schließlich nach und nach auf ihre eigenen Sätze an. Sie können die Sprachbestandteile zwar nicht benennen oder einen Satz in Einheiten zerlegen, aber ihre „Sprachmaschine“ weiß nach einem Jahr Erfahrung offenbar bestens über diese Dinge Bescheid.

Der biologische Drang eine Ordnung zu entdecken und zu imitieren, ist so stark, dass gehörlose Spielkameraden teilweise ihre eigene Gebärdensprache samt Flexionen (Beugungen) erfinden, wenn sie keine geeignete Gebärdensprache vorfinden, die sie nachahmen können…“

William H. Calvin/  „Wie das Gehirn denkt – Die Evolution der Intelligenz“/ Elsevier Spektrum Akademischer Verlag

Man erkennt also, dass sich das Erlernen von Sprache auf Grundlage mechanisch ablaufender Module vollzieht, an denen sich das Kind in seiner frühen Entwicklung entlang hangelt.

Kulturübergreifend bestehen diesbezüglich diverse Gesetzmäßigkeiten! Eines dieser regelhaften Phänomene zeigt uns, dass das Erlernen großer Kategorien offenbar eine leichter zu erwerbende Fähigkeit ist, als vom Allgemeinen zum Speziellen überzugehen! Das erkennt man an der typischen Phase, die jedes Kind durchläuft, in der jedes vierbeinige Tier ein „Hund“ und jeder erwachsene Mann „Papa“ ist.

Die universellste Gesetzmäßigkeit überhaupt besteht wohl in der unerhörten Imitations- Bereitschaft bzw. dem Imitations-Bedürfnis menschlicher Kinder!

Vorschulkinder besitzen auch den Antrieb, die Kombinationsregeln zu lernen, die wir mentale Grammatik nennen. Das ist keine intellektuelle Aufgabe im eigentlichen Sinne: Selbst unterdurchschnittlich intelligente Kinder erwerben die nötige Syntax scheinbar mühelos durch Zuhören. Der Erwerb von Syntax ist auch nicht das Ergebnis von Versuch und Irrtum, denn Kinder gehen offenbar sehr schnell zu syntaktischen Konstruktionen über. Sie erlernen diese ohne ausdrückliche Anweisungen zu einem Zeitpunkt, wo sie auf vielen anderen Gebieten nicht zu komplexen intellektuellen Leistungen fähig sind. Diese Leistung ist dabei relativ unabhängig von der Intelligenz! Lernen spielt dabei sicher eine Rolle, aber einige „eherne Gesetze“ der Grammatik lassen auf eine angeborene neuronale Verschaltung schließen!

William H. Calvin/  „Wie das Gehirn denkt – Die Evolution der Intelligenz“/ Elsevier Spektrum Akademischer Verlag/ S.117

 

Sprache scheint also tatsächlich eine biologische Komponente aufzuweisen! Die Ähnlichkeiten der Fehler, die Kinder beim Spracherwerb über alle Sprachgrenzen hinweg machen, die Art und Weise, in der sich verschiedene Aspekte der Grammatik über alle Sprachgrenzen hinweg gemeinsam verändern und andere Beobachtungen sprechen dafür, dass das menschliche Gehirn bereits die neuronalen Verschaltungen für die baumartigen Konstruktionen enthält, die man zum Sätze bilden braucht, genauso, wie der aufrechte Gang in ihm fest verankert ist.

„Das Erlernen der schwierigsten Aspekte einer Sprache wird offenbar durch kindliche Wißbegier erleichtert, welche ihrerseits eine biologische Basis hat. Vielleicht ist diese Wißbegier spezifisch auf Sprache ausgerichtet, vielleicht sucht sie nur nach komplexen Mustern im Gehörten und Gesehenen und lernt, sie nachzuahmen.“

William H. Calvin/  „Wie das Gehirn denkt – Die Evolution der Intelligenz“/ Elsevier Spektrum Akademischer Verlag

 

Die mechanischen Regeln des kindlichen Spracherwerbs tauchen am Rande bemerkt sogar bei computersimulierten künstlichen neuronalen Netzwerken auf, die man auf Sprachleistungen trainiert!

DAS MENSCHLICHE BEWUSSTSEIN: BESONDERHEITEN, EIGENSCHAFTEN UND KORRELATIONEN MIT BIOPHYSIKALISCHEN VORGÄNGEN

Wenn man sich mit der außergewöhnlichen Natur des menschlichen Geistes bzw. der mentalen menschlichen Fähigkeiten auseinandersetzt, drängt sich neben der Fähigkeit des Sprechens auch der Begriff des BEWUSSTSEINS auf! Dieser Begriff bereitet sowohl unter biologischen als auch unter psychologischen, theologischen und philosophischen Gesichtspunkten heraus Kopfzerbrechen! Es ist nach wie vor schwierig, die Bedeutung dieses Begriffes in all seinen Ebenen und Facetten darstellen zu können!

Nachfolgend zitiere ich einen Eintrag aus einem psychologischen Wörterbuch:

BEWUSSTSEIN

Bewusste und rationale Steuerung des eigenen Verhaltens, Erleben der Innen- und Außenwelt, wie es ausschließlich dem Menschen möglich ist. Der Begriff ist nicht eindeutig definiert und wird in unterschiedlicher Weise gebraucht: zum einen als Bezeichnung für den Grad an Wachheit, zum anderen für die Intensität von Wahrnehmungen und für das Bewusstsein über die eigene Person („Selbstbewusstsein“). In der Psychoanalyse wird das Bewusstsein den Ich-Funktionen zugeordnet, die für die Orientierung und Anpassung an die äußere Realität verantwortlich sind.

Grosses Wörterbuch Psychologie; Compact Verlag

Auch Tiere haben, wie wir annehmen müssen, ein „Bewusstsein“! Dieses unterscheidet sich aber in ganz gravierender Weise von jenem des Menschen! Im Gegensatz zum Tier verfügt der Mensch auch über ein sog. Meta-Bewusstsein.

Hierunter versteht man das Bewusstsein darüber, dass man über ein eigenes Bewusstsein, über eine eigene Psyche, über eine eigene Ich-Perspektive oder Identität verfügt!